16:00 Uhr. Ich bin schon spät dran. Habe zu lange den erfrischenden Wasserstrahl genossen und somit kein erkundungsfreudiges Grüppchen mehr in der Lobby des Buddy Lodge angetroffen. Also allein ins Vergnügen.
Aus der Lobby durch eine kleine klimatisierte Ladenpassage mit Schmuck- und Tattooladen, am "lebensgroßen" und die Hände zum typischen Thai Gruß gehobenen Ronald McDonald vorbei, raus in den bunten Farbtopf Khao San Road.
Die Straße ist so voller Menschen, Farben, Gerüche und Geräusche. Wieso quackt es hier? Es wird hier mitten in Bangkok auf dieser chaotischen Straßen doch wohl kaum Frösche geben? Die Antwort kommt schnell. In Gestalt von drei teils traditionell, teils den klimatischen und zeitgemäßen Gegebenheiten gekleideten Frauen mit Bauchläden. In der Hand halten sie Holzfrösche über deren huckeligen Rücken sie mit einem Stab streichen und Frosch-Quacks in allen Varianten simulieren.
Diese Mädels sind so ungefähr das Erste was ich auf der Khao San gesehen und gehört habe.
Ein Froschmädchen im Abendoutfit
Ihren Kopfbedeckungen nach zu urteilen, gehören diese drei Frauen dem Bergvolk der Akha an. Vielleicht sind es aber auch Bangkoker Mädels, die mit dem Folklore-Bonus ein paar Baht verdienen wollen. Egal, ohne Moos ist auch in Thailand nichts los.
Diese Straße ist der Treffpunkt für Backpacker-Touristen in Bangkok. Je näher man an die unzähligen T-Shirt-, Flip-Flop-, Taschen-, Schmuck-Shops herantritt desto größer ist das Englisch-Thai-Kauderwelsch. In der Straßenmitte sprechen die Leute ihre eigene Sprache: englisch, deutsch, niederländisch, japanisch, spanisch...
Die Khao San ist eigentlich eine recht kurze Straße. Vielleicht einen knappen halben Kilometer lang. Trotzdem brauche ich eine ganze Weile, bis ich die Straße einmal komplett abgelaufen habe. Jeder Winkel ist hier belegt mit Blickfängern. Und geht man in einen Shop hinein, stellt man plötzlich fest, dass es dort beinahe labyrinthartige Gänge mit weiteren Shops, Massage- und Friseursalons gibt. Wäre mal interessant zu erfahren wieviele Geschäfte es auf diesen 500 Metern Khao San Road gibt.
Was gibt's denn hinter der Khao San zu sehen? Ich biege um die Ecke. Ein "Designer"-Brillen laden, eine Dönerbude, ein Schmuckstand, ein Telefongeschäft. Auf dem Bürgersteig hockt eine Frau mit ihrer mobilen Küche. Vor ihr ein Gast. Ich laufe weiter.
Essen am Straßenrand.
Links liegt treppauf ein schickes Restaurant. Ich höre es plätschern und Palmen wehen leise im Wind. Ein ruhiger Ort in diesem lärmigen Viertel.
Wieder biege ich um eine Ecke und überlege kurz, ob ich nicht doch sofort umkehren soll. Eine zum Feierabend (?) verlassener, überdachter Marktplatz. Hier und da liegt jemand auf einer Bank, zwei Straßenhunde laufen mir entgegen, eine Frau gibt einer Kundin - oder Freundin? - eine Massage auf einem der Tische. Sie quatschen und interessieren sich nicht für mich.
Am anderen Ende der Gasse ist ein Parkplatz, eine Horde Touris und eine riesige Kreuzung. Verkehr ohne Ende. Ich sehe einen Park und wäre auch sofort da, wenn nicht diese gewaltige Blechlawine sich über die, mit einem extrem gold-kitschigen straßenüberspannenden Fotoalbum des Thailändischen Königs, wälzen würde. Witzig, dass ein Polizist den Verkehr zu regeln scheint. Irgendwie funktionierts. Ich warte am Bürgersteig auf einen günstigen Moment, und warte und denke "Möönsch, ich will da RÜBER!". Als ein Grüppchen Einheimischer plötzlich neben mir auftaucht und beinahe im selben Moment die Straße überquert, nutze ich die Gelegenheit und hoffe es wird nicht mich treffen ;)
Andere haben Fotoalben oder Flickr...

Verkehr in Bangkok
Der Park war gar keiner, sondern eher ein riesiger Bolzplatz. Jungs und Männer spielten Fußball. Zuschauer saßen und lagen auf dem Rasen drumherum. Unter den Bäumen schliefen Menschen. Ob die hier draußen auch wohnen?
Bolzplatz...kaum anders als hier in Oberhausen.
Auf dem Rückweg entdecke ich ein Wurmloch und stehe plötzlich wieder auf der Khao San Road.
Später am Abend hat ein Großteil unserer Reisegruppe sich dann in einem openair-Restaurant vor dem Buddy Lodge eingefunden. Noch bevor ich mein erstes Bier getrunken habe, beschließt Montekete meine vor der Reise wagemutig im trnd-Blog verkündete Mutprobe in die Tat umzusetzen. Am Ende der Khao San Road gibt's einen Stand mit frittierten Heuschrecken, Maden und Ichwillsnichtwissen. Das sei die Gelegenheit. Also gut, ich will es hinter mich bringen. Als Übersprungshandlung gewähre ich mir davor aber noch einen Mützenkauf.
Gut behütet und der Fantasie freien Lauf lassend folge ich Montekete zum Delikatessen-Stand. Ich hatte die Wahl:
Mutprobe. Arme Heuschrecke...
Ich kaufe eine große, Montekete eine kleine Heuschrecke. Wir zahlen und plötzlich taucht unser Kameramann hinter dem Stand auf. Jetzt waren wir wirklich in Zugzwang. Mund auf, Augen zu, dreimal kauen, schlucken. Puuh, Glück gehabt! Nichts Glibberiges. Aber kratzig war sie schon, die arme Heuschrecke, und blieb mir noch ne ganze Weile im Halse stecken. Definitv nicht wiederholenswert.
Später bin ich noch mit Kristof aus dem shoestring-Team durch die Gassen gestreift. In einem vegetarisch-veganem Garagenrestaurant haben wir uns zum Abendessen auf Kissen an einen niedrigen Tisch auf den Boden gesetzt. Der Besitzer war eindeutig nicht thailändisch, die Gäste auch nicht. Insgesamt drei Leute sitzen dort mit ihrem MacBook, tippen und telefonieren. Arbeit oder Vergnügen? Arbeitende Nomaden, Vagabunden? Reisen und dabei Arbeiten? Ich bin infiziert. Das will ich auch!
Bangkok auf zwei Rädern und auf dem Wasser, modern und traditionell, idyllisch und rockig gibt's im nächsten Beitrag...
Donnerstag, 21. Februar 2008
Bangkok Khao San Road
Labels: Shoestring-Reisen
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